25.04.2022

Nachweislich nachhaltig: die ISCCPlus-Zertifizierung

Gesetzliche Anforderungen an Unternehmen, nachhaltig zu wirtschaften und dies entlang der Lieferkette rückverfolgbar zu machen, nehmen zu. Neben individuellen Initiativen setzen Unternehmen auf anerkannte Zertifikate. TotalEnergies und Nordmann haben die ISCC-Plus-Zertifizierung für Renewable Feedstocks durchlaufen. Im Nordmann News Roundtable tauschen sich drei Expert*innen zu den Themen Nachhaltigkeit, Zertifizierung und zum Lieferkettengesetz aus.

M.Sc.Eng. Marianne Maquet,
Sustainability Manager
, TotalEnergies Polymers


 
Dr. Christian Gradert,
Group HSEQ Director, Nordmann


 
Holger Thews,
Technical Sales & Product
Manager: Thermoplastics, Nordmann

Was sind maßgebliche Gründe für TotalEnergies, sich im Bereich der regenerativen Rohstoffe so stark zu engagieren?

Marianne Maquet: "Wir wollen uns als vertikal integriertes Unternehmen den strategischen Zugriff auf erneuerbare Rohstoffe sichern. In unserer Bioraffinerie in La Mède, Frankreich, verarbeiten wir Biorohstoffe, unter anderem zur Herstellung biozertifizierter Polymere. So können wir flexibel große Mengen an Rohstoffen aus erneuerbaren Quellen in unsere Polymerproduktion einbeziehen."

Seit wann ist TotalEnergies ISCC-Pluszertifiziert, und gibt es bereits erste Rückmeldungen aus dem Markt?

Marianne Maquet: "Unsere Polymeranlagen wurden 2019 zertifiziert. Damals reagierte der Markt mit Interesse und Neugier, aber auch mit der Frage nach dem Warum. Die ISCC-Plus-Zertifizierung und der Massenbilanzansatz waren recht neu und die Lernkurven im Markt sehr unterschiedlich. Zu unserem Erstaunen wurden die Lösungen schnell angenommen. In nur zwei bis drei Jahren entwickelten sie sich von einer Nische zum Mainstream!"

Wo steht Nordmann bei der ISCC-Plus-Zertifizierung?

Dr. Christian Gradert: "Seit Januar 2022 ist Nordmann Deutschland offiziell nach ISCC Plus zertifiziert. Damit dürfen wir Waren unter dem Label ISCC Plus (Mass Balance) handeln. Lagerung, Umfüllung oder Umarbeitung können bei Bedarf noch ergänzt werden."

Was bietet Nordmann seinen Kunden für den Nachweis einer lückenlos ISCCPlus-zertifizierten Lieferkette?

Dr. Christian Gradert:  "Als ISCC-Plus-zertifizierter Distributor schließen wir für unsere Kunden an dieser Stelle die Lücke innerhalb ihrer Lieferkette. Über Nordmann können sie, oftmals exklusiv, auf eine wachsende Palette an Rohstoffen aus nachhaltigen Quellen zurückgreifen, beispielsweise auf Certified Renewable Polymers von TotalEnergies."

Welchen Marktanteil haben regenerative Rohstoffe heute im Vergleich zu fossilen Rohstoffen, und wie schätzen Sie den Bedarf mittel- und langfristig ein?

Marianne Maquet: "Derzeit machen sie einen kleinen Teil unserer Produktionskapazitäten aus. Allerdings wandelt sich das. Verarbeiter und Marken haben erkannt, dass neben durchdachten Recyclingkonzepten die Verringerung des CO2-Fußabdrucks von Kunststoffen, beispielsweise durch erneuerbare Polymere, ein Teil ihrer Nachhaltigkeitsstrategie sein muss. Bis 2030 sollen 30 Prozent aller von uns verkauften Polymere recycelt oder erneuerbar sein. Bio-Sourcing ist hierbei ein wichtiger Baustein. Um dieses Ziel zu erreichen, bauen wir mit einer Bioraffinerie in Grandpuits, Frankreich, bis 2024 zusätzliche Kapazitäten auf."

Wie schätzt Nordmann den Bedarf für ISCC-Plus-zertifizierte Produkte ein?

Holger Thews: "Die Nachfrage beispielsweise nach Polymeren aus regenerativen Rohstoffen ist seitens unserer Kunden aus der Kosmetik- und Lebensmittelindustrie groß. Die EU verschärft mit dem Green Deal die Vorgaben für eine nachhaltige Produktion und den Einsatz regenerativer Rohstoffe. Gleichzeitig können nachwachsende Rohstoffe fossile Produkte bei der Herstellung von Polymeren ohne Qualitätsverluste ersetzen. Unsere Kunden fordern Lösungen, mit denen sie Auflagen der EU erfüllen, Qualitätsstandards halten und dem Wunsch nach nachhaltigen Produkten entsprechen können."

Wie kann ein Kunde Produkte von TotalEnergies rückverfolgen, die über Nordmann bezogen wurden?

Dr. Christian Gradert: "Die Zertifizierung garantiert, dass sämtliche Einkäufe und Verkäufe von ISCCPlus-gekennzeichneter Ware durch externe Stellen auf die Einhaltung der notwendigen Standards überwacht werden. Zusätzliche Informationen beispielsweise zu verwendeten Rohstoffen können wir jederzeit zur Verfügung stellen."

Wie schätzen Sie die Bereitschaft der Hersteller, Ihrer Lieferanten, ein, sich nach ISCC Plus zertifizieren zu lassen?

Holger Thews: "Die Zertifizierung nach ISCC Plus ist ein europäischer Ansatz, der vor allem bei unseren europäischen Lieferanten greift. Vorausgesetzt, deren Produkte lassen sich aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen und werden in einem Markt vertrieben, in dem nicht allein der Preis ausschlaggebend ist. Neben TotalEnergies, sicherlich einem Pionier in dieser Sache, haben andere unserer Lieferanten begonnen, über eine solche Zertifizierung nachzudenken, oder gehen sie bereits an."

Welche (positiven) Auswirkungen kann eine ISCC-Plus-Zertifizierung auf die Umsetzung des Lieferkettengesetzes haben?

Dr. Christian Gradert: "Unternehmen werden zukünftig dazu verpflichtet, soziale und ökologische Standards in der Lieferkette sicherstellen. Zertifizierungen helfen dabei, die Einhaltung der Standards über den direkten Einflussbereich hinaus zu kontrollieren und das Engagement der Unternehmen nach außen glaubhaft." 

Marianne Maquet: "Neben der ISCC-Plus-Zertifizierung selbst bietet die Verwendung von ISCC-konformen Materialien zusätzliche Garantien für die Herkunft der Rohstoffe. Sie gewährleisten neben der Nachhaltigkeit auch eine strengere Kontrolle der Einhaltung von Menschenrechten und Arbeitsgesetzen. "

ISCC Plus-Zertifikat: Mit dem weltweit anerkannten ISCC (International Sustainability & Carbon Certification) Plus-Zertifikat können Unternehmen auch in nicht-regulierten Märkten nachweisen, dass sie nachhaltige Rohstoffe aus Biomasse und/oder Rezyklaten für die Herstellung von Lebens- und Futtermitteln und/oder für andere technische, chemische und Bioenergie-Anwendungen einsetzen. Das ISCC-Plus-Zertifikat gewährleistet die Einhaltung der Vorschriften zur Rückverfolgbarkeit sowie zu den Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

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