25.04.2022

Heißer schwarzer Kaffee

Für die einen ist Kaffee ein Wachmacher und Lifestyle-Getränk. Für Alejandro Franco vom dänischen Scale-up Kaffe Bueno hingegen der Beginn eines neuen Recyclingzyklus. Zusammen mit zwei ehemaligen Studienkollegen nutzt er das, was vom Kaffee übrig bleibt, für Kosmetik- und Lebensmittelprodukte.

Von links nach rechts: Die drei Gründer Juan Medina, Alejandro Franco und Camilo Fernandez sind Kaffee-Experten aus Kolumbien und engagieren sich für die Nachhaltigkeit.

Fragt man Alejandro Franco nach seinem Alter, winkt er ab. „Das ist doch nur eine Zahl!“, sagt er und verrät dann doch, dass er gerade 27 Jahre alt geworden ist. Der Kolumbianer aus Barranquilla, einer Großstadt am Karibischen Meer, hat bereits öfter erlebt, dass Jugend ein Nachteil sein kann. Zum Beispiel dann, wenn man ein Unternehmen gründet und Investoren sucht. „Ich und meine Freunde Juan Medina und Camilo Fernandez haben unser Unternehmen Kaffe Bueno 2016 ins Leben gerufen, kurz nach unserem Bachelor in International Business an einer französischen Universität in London. Einige hatten zunächst Zweifel, ob wir als Anfang-20-Jährige auch wirklich seriös sind“, erinnert sich Alejandro. Dann zuckt er mit den Schultern und lächelt. Denn spätestens jetzt, da sie elf Mitarbeiter*innen beschäftigen, darunter Biochemiker*innen und einen Nanotechnologen, ist klar, dass sie sehr ernst zu nehmen sind. Vor allem vertreten die Jungunternehmer eine moderne und einzigartige Nachhaltigkeitsvision: mit Kaffe Bueno die Art und Weise, wie Menschen Kaffee wahrnehmen, zu revolutionieren. Weg vom Genussgetränk, hin zum Gesundheitselixier.

KAFFEE MIT HEILWIRKUNG

„Für mich als Kolumbianer ist diese Sicht auf Kaffee ganz normal“, sagt Alejandro, der inzwischen in Kopenhagen lebt und den kommerziellen Bereich seines Unternehmens mit seinen Freunden von einem Co-Working-Space aus leitet, das in einem Industriegebiet in der Nähe der dänischen Hauptstadt angesiedelt ist. „Wenn ich mich beispielsweise früher verletzt habe, hat meine Großmutter Kaffeesatz auf die Wunde gelegt. Das hat geholfen.“

Inzwischen wissen Alejandro und seine Mitstreiter auch warum – und zwar durch molekularbiologische Untersuchungen. Sie fanden heraus, dass in Kaffee unter anderem Linolsäure für die Wundheilung steckt. Aber nur ein Prozent der wertvollen Inhaltsstoffe, darunter weitere Fettsäuren, Proteine, Zucker und Antioxidantien, landen im Heißgetränk. Der Rest wird häufig verbrannt oder landet auf Deponien und lebt allenfalls als Düngemittel weiter. Deshalb upcycelt Kaffe Bueno den Kaffeesatz und gewinnt Öl und Fasern aus ihm, beide Produkte enthalten alle kostbaren Ingredienzien der bioaktiven Pflanze und kommen in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie zum Einsatz. „Das Öl, das wir KAFFOIL® getauft haben, wird wegen seiner aromatisierenden Eigenschaften als Lebensmittelzutat verwendet“, erklärt Alejandro. Für KAFFIBRE® werden Fasern aus dem Kaffeesatz extrahiert. Anschließend können sie in glutenfreien Rezepten voller Ballaststoffe und Proteine verarbeitet werden, in gesunden Snackbars oder Pizza, Pasta und Gebäck. Der Geschmack der Faser ist leicht nussig oder erinnert an Schokolade. In der Kosmetik wird KAFFIBRE® hingegen als natürlicher Peelingkörper in unterschiedlichen Formulierungen wie zum Beispiel Gesichtspeelings eingesetzt. Öl und Fasern sind gut für den Menschen und die Umwelt. Denn auf Mülldeponien setzt Kaffeesatz beim Verrotten Treibhausgas frei, für jede Tonne durch Kaffe Bueno upgecycelten Kaffee lässt sich ein Ausstoß von 340 Kubikmeter Methan in die Atmosphäre verhindern.

NACHHALTIGKEIT DURCH KREISLAUFWIRTSCHAFT

Den ersten Kaffee des Tages, es ist einer von fünf, trinkt Alejandro zu Hause in seiner Wohnung im Südhafen Kopenhagens. Die Bohnen dafür stammen von einer Bioplantage in Südkolumbien. Alejandro hat dort einige Wochen bei der Farmerin gelebt, die sich in der Kaffeeszene des Landes auch für Frauenrechte einsetzt. „Da sehr wenig von dem Geld, das in Europa etwa für einen Cappuccino bezahlt wird, bei den Landwirten in Kolumbien landet, wollte ich erfahren, an was es mangelt – und das ist in erster Linie Bildung. Deshalb fließt ein Teil unserer Erlöse in Bildungsprojekte vor Ort“, sagt Alejandro. Denn auch das ist Nachhaltigkeit: alle Bestandteile eines Wirtschaftskreislaufs und damit das große Ganze im Blick zu haben.

Kaffe Bueno wurde 2016 gegründet in Dänemark und gilt als erstes Unternehmen, das eine Kreislaufwirtschaft rund um Kaffee entwickelt und dabei Kaffeeabfälle, grüne Chemie und Biotechnologie nutzt. Die Gründer generieren nicht nur Öl und Fasern. Sie zerlegen den Kaffeesatz auch in all seine Moleküle und stellen Inhaltsstoffe für die Gesundheitsindustrie her. Auf synthetische und petrochemische Stoffe verzichtet das Unternehmen zum Wohl der Gesellschaft.

Nordmann ist von dem innovativen Produktportfolio von Kaffe Bueno überzeugt. Seit Anfang 2021 vertreibt das Unternehmen die Produkte KAFFIBRE® für den Personal Care Bereich, sowie KAFFIBRE® und KAFFOIL® von Kaffe Bueno für den Food Bereich in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Skandinavien exklusiv.

 

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